Hey, kleiner Onkel
Eigentlich wollte ich ja gar nichts über meine ganz besonderen Freunde bei “PI-News” schreiben, um ihnen nicht noch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Aber die Geschehnisse in Norwegen und der Umgang der konservativen Hassprediger mit ihnen, trieben mich gestern dann doch dazu. Was ich gestern nicht erwähnte, weil ich es ein wenig lächerlich fand, war die Tatsache, dass die in einem der verlinkten Artikel auch noch versuchten sich von Schuld frei zu schreiben. Und heute wurde sogar noch einer drauf gesetzt, doch dazu gleich mehr. Der Artikel las sich ungefähr wie “wir haben zwar nichts mit der Sache zu tun, wir kannten den Täter ja nicht persönlich. Und trotzdem fassen wir uns an die eigene Nase und denken darüber nach, ob nicht auch wir manchmal etwas zu laut brüllen.”
Wie kommt man dazu einen solchen Artikel zu schreiben? Mir kommen da nur zwei Möglichkeiten in den Sinn. Entweder der Autor blickte kritisch auf sein Werk der letzten Jahre und auf das seiner Kollegen zurück und empfand zumindest etwas Trauer oder sogar Scham nachdem er von den Geschehnissen in Norwegen erfuhr. Oder aber der Artikel entsprang einer Art Schutzreflex. So könnte dann jedem Vertreter der “Mainstreammedien” dieser Artikel mit obiger Aussage entgegen gehalten werden. Und sollte dann doch negativ über das Hassblog berichtet werden, könnte man sich wenigstens wieder in die Opferrolle schreiben, die das eigene Publikum so liebt. In die Rolle der Krieger für die gute Sache; derjenigen, die unermüdlich versuchen das Abendland zu verteidigen vor den “linksgrünen Horden” oder den 68ern.
Natürlich kann keiner behaupten, dass solche Popelblogs wie “PI-News” irgendetwas mit dem Massenmord in Norwegen zu tun haben. Doch es ist der Hass, den Seiten wie diese und viele andere kultivieren auf dem Gewaltphantasien gedeihen und später zu Taten wie diesen erwachsen können. Selten kann man im Netz direkte Aufrufe zur Gewalt durch Islamophobe lesen, noch seltener mit Folgen. Doch die Stimmung, das Klima, dass erzeugt wird, begünstigt die Entstehung solcher Taten und jeder, der sich seines eigenen Verstandes im Sinne Kants bedienen kann, sollte das nicht einfach ignorieren, sondern dieses System Hass öffentlich entlarven und für eine friedlichere und tolerantere Gesellschaft eintreten.
Der Unterschied zwischen Christen und Moslems
Doch das sollte nicht alles bleiben. Heute gab es diesen feinen Artikel zu lesen. Und der ist echt der Hammer. Da wird anhand eines Bibelzitats und einer pseudotheologischen Auseinandersetzung dargelegt, warum der Täter von Oslo und Utøya kein Christ sei oder aber zumindest den christlichen Glauben falsch verstehe. Schließlich sei Jesus kein (Zitat) “Kriegsherr [war] wie Mohammed” gewesen, er habe schließlich Nächstenliebe gepredigt. Natürlich nicht ohne später dahingehend einzuschränken, dass damit kein ”billiges Appeasement” gemeint war. Hauptsache das Weltbild stimmt wieder.
Insgesamt ist das dann fast schon wieder witzig. Wenn Moslems andere Menschen töten, sind sie Moslems und morden im Auftrag ihrer Religion, die in Wahrheit selbstverständlich keine wirkliche Religion, sondern nur eine faschistische Ideologie ist, die es durch den “Geburtendschihad” auszubreiten gilt. Töten hingegen Christen, so haben die irgendwas falsch verstanden und das hat rein gar nichts mit ihrer Religionszugehörigkeit zu tun.
Conclusio
Ach, was… alles Unsinn. Ich nehm’ alles zurück. Ich werd’ jetzt auch konservativ. Da muss man nicht so viel nachdenken. Und sollte ich trotz allgemeinen Hirnherunterfahrens immer noch feststellen, dass, wenn ich meine Standardargumentation auf mich anwende ins zweifeln komme, dann denk ich mir einfach ne Lösung aus, die mir passt. Ich hol’ den alten Wüstenroman das einzig wahre Wort Gottes aus dem Schrank, lese solange in den tausenden Seiten bis ich eine geeignete Stelle gefunden habe und mache mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt.
Ihre PI-News Langstrumpf
Update: Wie ich sehe hat sogar der Spiegel eine ähnliche Kerbe geschlagen. Stunden vor mir. Einer der wenigen lesenswerten Spiegelartikel in diesem Jahr. Lesen!